Schneckenplage – und jetzt?

Immer wieder liest man in Gruppen und Foren von „Schneckenplagen“. Von sich scheinbar unkontrolliert vermehrenden Schnecken, die man nichtmal bewusst eingesetzt hat. Aber was genau hat es damit auf sich und wie wird man die Schnecken wieder los? Und welche Schnecken werden überhaupt zur „Plage“? Ich versuche Euch mal ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Woher kommen die Schnecken?

Leute, die von einer Schneckenplage reden, haben die Tiere in den allermeisten Fällen nicht bewusst ins Aquarium gesetzt. Aber wo kommen sie dann her?

Pflanzen im Aquaristikladen

Pflanzenaquarien in Zooläden sind ein kleines Paradies für Kleinstschnecken. Unbemerkt kann man sich mit neuen Pflanzen so einen blinden Passagier mit nach Hause nehmen.

In der Regel werden unerwünschte Gäste mit neu gekauften Pflanzen eingeschleppt. Das können gerne schonmal Libellenlarven oder aber auch Schnecken sein.
Sieht man einmal aufmerksam in ein Pflanzenbecken, wie es in den Fachhandeln steht, so entdeckt man dort nämlich genau diese Schnecken, die man später als ungebetene Gäste im Aquarium wiederfindet.
Die Pflanzen setzt man dann unüberlegt ins Aquarium und schon hat man sich die neuen Mitbewohner eingefangen.
Das funktioniert natürlich auch bei Pflanzen, die man von privat kauft.

Kann man das Einschleppen von Schnecken verhindern?

Ganz klar: Ja, kann man. Wie so oft, ist es aber eine Frage der Überzeugung, der Geduld und – jenachdem – des Geldes.

inVitro-Pflanzen
Tropica 1-2-Grow inVitro-Pflanzen

Durch inVitro-Pflanzen kann man das Problem „eingeschleppte Schnecke“ umgehen. Ganz nebenbei spart man sich, bei Wirbellosenaquarien, das Wässern der Pflanzen vor dem Einsetzen.

Die einfachste Variante, sich vor eingeschleppten Schnecken zu schützen, ist das Verwenden von inVitro-Pflanzen. Diese Pflanzen werden direkt in den kleinen Bechern, in denen man sie später kauft, im Labor gezüchtet.
Ich persönlich nutze sie gerne, da sie komplett ungefährlich für Wirbellose sind und ich kein Fan von Libellenlarven bin. Aber natürlich sind diese Pflanzen auch absolut algen- und schneckenfrei.

InVitro-Pflanzen sind – in den meisten Fällen – scheinbar teurer als „herkömmliche“ Topf- oder Bundpflanzen. Rechnet man sich allerdings die Menge, die man erhält, gegen, so relativiert sich der höhere Preis schnell. Erstrecht, da diese Pflanzen einige Vorteile mit sich bringen.

Sorgfältige Prüfung neuer Pflanzen
Posthornschnecken-Gelege auf Blatt mit gut sichtbaren Jungtieren

Schnecken legen ihre Gelege gerne an der Unterseite von Blättern oder am Pflanzenstängel ab. Die Gelege sind Geleeartig flach oder dreimiensional und entweder komplett transparent oder, wie hier, mit gut sichtbaren Jungtieren kurz vor dem Schlupf.

Wer nicht mit InVitro-Pflanzen arbeiten möchte, entgeht den Schnecken, und damit der möglichen „Schneckenplage“ nur, indem er die neu erworbenen Pflanzen gründlichst absucht. Hierbei solltet Ihr vor allem auf kleine, Geleeartige Stellen (Schneckengelege) achten und auf den wirklich kleinsten Punkt, der ggf. nicht auf die Pflanze gehört.
Die Schwierigkeit hierbei ist allerdings, dass die Jungtiere häufig sehr klein und fast farblos sind und man sie nur schlecht auf den Pflanzen erkennt.

Neue Nicht-inVitro-Pflanzen sollten, vor dem Einsetzen ins Wirbellosenaquarium ohnehin mindestens zwei Wochen gewässert werden (jedenfalls dann, wenn sie nicht aus einem anderen laufenden Aquarium (nicht das Pflanzenbecken beim Händler) stammen.
Diese Zeit solltet Ihr nutzen, um hier täglich die Pflanzen nochmal abzusuchen, ob Ihr was übersehen habt. Und auch das Gefäß, in dem Ihr wässert, solltet Ihr täglich gründlich saubermachen, da sich auch hier Schnecken ansammeln können.

Hilfsmittel

Googlet man sich ein bisschen durchs Internet, so stößt man häufig auf den Tipp, dass man die Pflanzen eine Zeit lang in Sprudelwasser wässern sollte. Hierzu kann ich Euch wenig sagen, da ich auch noch nie wirklich Schnecken los werden wollte. Wer es ausprobieren mag, kann es ja tun. Mehr Schnecken werden es dadurch sicher nicht 😉

Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will und keine inVitro Pflanzen mag, dem bleibt letztendlich noch das Wässern in Wasser mit Schneckengift. Hier solltet Ihr die Pflanzen vorher natürlich trotzdem gründlich absuchen und nach der Anwendung auch nochmal „normal“ wässern – insbesondere wenn sie für ein Wirbellosenaquarium gedacht sind.

Was, wenn man Schnecken eingeschleppt hat?

Blasenschnecke im Nano Cube

Eine Blasenschnecke macht noch keine Schneckenplage, kommt aber auch selten alleine.

Wenn Ihr Euch Schnecken in Euer Aquarium eingeschleppt habt, solltet Ihr natürlich nicht gleich in Panik verfallen. Eine Schnecke alleine macht noch keine „Schneckenplage“ – allerdings kommt eine Blasenschnecke (o.ä.) auch selten alleine.

Wenn Ihr die Tiere also nicht in Eurem Aquarium haben möchtet, solltet Ihr die Schnecken, die Ihr seht, absammeln und in ein gesondertes Gefäß setzen. Das muss für den Übergang kein Hexenwerk sein und mit abgesammelten Schnecken macht man Kugelfischhaltern u.ä. eine Freude. Oder aber Ihr lernt die Tiere in einer extra eingerichteten Schneckenvase zu schätzen 😉

In jedem Fall solltet Ihr jetzt genau darauf achten, den Schnecken keine unkontrollierten Nahrungsquellen zu bieten. Ansonsten wird aus einer übersehenen Schnecke im Aquarium schnell die befürchtete Schnecken-Überpopulation.

Ursachen einer Schneckenplage

Eine Gruppe von Schnecken – egal ob bewusst eingesetzt oder versehentlich eingeschleppt – wird nicht von alleine zur Plage. Möchte man die Zahl der Schnecken eindämmen, so sollte man als erstes die Ursachen bekämpfen.

Überfütterung als ursache

Wer sich ein wenig mit dem Thema Schnecken befasst, weiß, dass diese sich umso besser vermehren, je mehr Futterangebot es gibt. Nicht selten bemerkt also der Aquarienbesitzer erst durch die hohe Anzahl der Schnecken, dass er viel zu viel füttert. Dabei hilft es auch häufig, die Futtermenge auf mehrere kleine Portionen am Tag aufzuteilen, sodass der Großteil des Futters dort landet, wo er hingehört – im Maul der Fische. Zu Boden sinkendes Futter wird dann oft von den Schnecken verwertet, wodurch der Grundstein für die Plage gelegt ist.

Abgestorbene Pflanzen und tote tiere
angefressene Pflanzen im Nano Cube

Nicht nur zu viel Futter, sondern auch abgestorbene Pflanzen und tote Tiere können Ursache einer Schneckenplage sein.

Aber auch bei den Aquarianern, die die Futtermenge im Griff haben, kann sich eine Schneckenplage entwickeln. Häufig wird bei der Problembekämpfung übersehen, dass Schnecken sich nicht nur von Futterresten ernähren, sondern – gerade die, die zur „Plage“ werden, auch abgestorbene Pflanzen und tote Tiere als Nahrungsquelle nutzen. Das ist gut für Euer Aquarium, denn so vergammelt nichts und das Wasser wird nicht belastet. Das ist aber natürlich schlecht, wenn Ihr keine Unmengen an Schnecken halten wollt.

Achtet also immer genau darauf, dass Euer Aquarium „aufgeräumt“ ist, Ihr überschüssiges Futter absaugt, abgestorbene Pflanzen entfernt und tote Tiere zeitnah aus dem Aquarium nehmt.
Wenn Ihr dann nach und nach alle Schnecken, die Ihr seht, absammelt, solltet Ihr das Problem Schneckenplage relativ schnell in den Griff bekommen.

Übrigens freuen sich die Schnecken auch über veralgte Scheiben. Auch diese Algen nehmen sie gerne als Futter an. Das Aquarium sauber und schneckenarm halten heißt also auch, die Scheiben regelmäßig zu reinigen und auf die Lichtintensität der Beleuchtung zu achten.

Tricks, Tipps, Tools

Um der Schneckenplage schneller Herr zu werden, gibt es ein paar Tricks und Hilfsmittel, die man zwar immer schonmal liest und daher sicher bekannt sind, ich Euch aber an dieser Stelle trotzdem nochmal aufführen möchte:

Gurkenscheibe als Lockmittel und Sammelpunkt

Schnecken sind Fressmaschinen und gerade diese Schnecken, die sich zur „Plage“ entwickeln, sind relativ schnell vor Ort, wenn es was zu fressen gibt. Das kann man sich zu Nutze machen und eine Gurkenscheibe als Köder verwenden.
Ihr legt die Gurkenscheibe für ein paar Stunden (Aufpassen, dass es nicht zu lange ist, eine sich zersetzende Gurke schadet der Wasserqualität!) ins Aquarium und wartet, dass sich die Schnecken auf der Gurke versammeln. Erfahrungsgemäß geht das besonders gut, wenn Ihr vorher nicht bereits zu viel gefüttert habt.
Die Schnecken werden sich nach und nach auf der Gurkenscheibe versammeln und Ihr könnt so, relativ einfach, direkt eine ganze Gruppe Schnecken aus dem Aquairum nehmen.

Schneckenfalle

Einige Hersteller, z.B. JBL, bieten im Handel erhältliche Schneckenfallen an. Das sind kleine Kunststoffbehälter, die man einfach ins Aquarium legt. Die Fallen werden dann mit Futter bestückt und über Nacht im Aquarium gelassen. Im Prinzip ist es eine ähnliche Methode wie die Gurkenscheibe, mit dem Vorteil, dass die Schnecken nicht so einfach aus der Falle kriechen können. Der Nachteil ist, dass sich auch unbeabsichtig andere Tiere in die Falle verirren können, was sich bei JBL aber über eine Höhenverstellung des Eingangs größtenteils vermeiden lässt.
Wie gut die Falle in der Praxis funktioniert, habe ich bisher nicht ausprobiert. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie eine gute, fangsicherere Alternative zur Gurkenscheibe ist.

Was ist, wenn man nicht jede eingeschleppte Schnecke findet?

Wenn Ihr Euch für das Absammeln der Tiere entscheidet, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass Ihr – gerade bei kleineren Schneckenarten – nicht jede Schnecke im Aquarium findet. Die Problematik einer erneuten Schneckenplage ist aber, wenn Ihr Euch an die oben genannten Regeln haltet, nicht mehr gegeben. Ganz im Gegenteilt: Schnecken im Aquarium sind, im gewissen Rahmen, sogar eher nützlich, als dass sie schaden und eine optische Beeinträchtigung gibt es durch eine normale Population ebenfalls nicht.

Solltet Ihr also nicht jede Schnecke gefunden haben, lernt Eure neuen Helfer zu schätzen. Denn ab sofort habt Ihr eine kleine Putzkolonne, die für Ordnung in Eurem Aquarium sorgt.

Welche Schnecken werden zur „Plage“?

Flaches Posthörnchen an der Scheibe

Flache Posthörnchen gehören zu den am meisten eingeschleppten Schnecken.

Wenn man von einer Schneckenplage liest, so geht es hier meistens um flache Posthörnchen, Posthorn- oder Blasenschnecken. Diese Tiere sind nicht getrennt geschlechtlich, benötigen also nicht speziell Weibchen oder Männchen zur Fortpflanzung und es kann sich jedes Tier – anstatt nur die Weibchen bei getrennt geschlechtlichen Arten – fortpflanzen. Zudem sind die Gelege unauffällig genug und die Jungtiere klein genug, schnell an Pflanzen übersehen zu werden.

Neuseeländische Zwergdeckelschnecke

Neuseeländische Deckelschnecken sind seltenere blinde Passagiere. Mit Ihrer geringen Größe von wenigen Millimetern fallen sie aber auch kaum auf.

Ebenfalls häufiger eingeschleppt, sehr klein und mit einer hohen Vermehrungsrate sind Neuseeländische Zwergdeckelschnecken. Diese, nur sehr wenige Millimeter kleinen Turmdeckelschnecken, vermehren sich parthenogenesich, also dadurch, dass sich das Weibchen klont. Einen männlichen Geschlechtspartner benötigen also auch diese lebendgebärenden Schnecken nicht zur Fortpflanzung. Durch die geringe Größe der Tiere ist ein Absammeln nur schwer möglich. Solltet Ihr diese Tiere eingeschleppt haben, so achtet besonders gründlich darauf, die Ursachen der Schneckenplage zu beheben. Stimmen die Gegebenheiten für diese Tiere nicht mehr, verschwinden sie auch relativ schnell wieder aus dem Aquarium.

Alle Tiere, bis auf die Posthornschnecke, die aber, durch im Handel gekaufte Pflanzen eher selten eingeschleppt wird, haben gemeinsam, dass sie in der Endgröße relativ klein sind und so im Aquarium weder stören noch besonders auffallen – wenn nicht auf einmal massig Tiere im Aquarium sitzen. Solange Ihr also die Ursachen für die Schneckenplage im Griff habt, sind auch diese eingeschleppten Aquarienbewohner kein Grund zur Panik.

Wenn Ihr generell an der Haltung von Schnecken interessiert seid, aber eine Schneckenplage befürchtet, achtet in erster Linie darauf, dass die gekauften Tiere getrenntgeschlechtlich sind und das jeweils andere Geschlecht zur Vermehrung brauchen. Lasst Euch in jedem Fall aber gut beraten, da auch die getrenntgeschlechtliche Fortpflanzung kein Garant darauf ist, dass Ihr nicht mit einer Überpopulation rechnen müsst.
Wie immer gilt, bevor Ihr Euch bewusst Schnecken in Euer Aquarium setzt, informiert Euch vorher über die Haltungsbedingungen. Die ersten Schnecken, die empfohlen werden, da sie sich in Gefangenschaft nicht fortpflanzen – Renn- und Geweihschnecken – sind z.B. Nahrungsspezialisten, was man unbedingt beachten sollte, wenn diese Tiere ins Aquarium einziehen sollen.

Wohin mit den abgesammelten Schnecken?

Tupperschüssel als Schneckenaufbewahrung

In einer Tupperschüssel o.ä. können die abgesammelten Schnecken ein paar Tage gehalten werden.

Schnecken der Arten, die man sich am häufigsten einschleppt und die sich am häufigsten zu einer „Plage“ entwickeln, sind relativ anspruchslos. Ihr könnt diese Tiere also erstmal in einem sauberen, mit Wasser gefüllten Gefäß (Tupperschüssel o.ä.) zwischenlagern. Da die gängien eingeschleppten Schnecken auch nicht größer als 1,5 cm werden (Posthornschnecken werden etwas größer) muss das neue Zuhause auf Zeit auch keine riesigie Literzahl fassen. Natürlich gilt auch hier: Je kleiner das Gefäß, desto mehr müsst Ihr auch hier auf die Wasserqualität achten. Auch wenn Schnecken da relativ entspannt zu halten sind.

So untergebracht, könnt Ihr die Tiere einige Tage halten ohne ihnen zu schaden. In der Zeit könnt Ihr Euch dann in Ruhe, z.B. über Facebook-Gruppen oder über Kleinanzeigen, dankbare Abnehmer suchen. Die Tiere sind vor allem bei Kugelfisch- und Schmerlenhaltern beliebt, die die Tiere zur artgerechnten Ernährung benötigen.
Habt Ihr einen Abnehmer gefunden, könnt Ihr die Schnecken, bei Temperaturen über 10 Grad, auch einfach, in feuchtes Zewa  gewickelt und stoßfest (stabile Umverpackung) verpackt, versenden.

KEINESFALLS solltet Ihr die Schnecken, wie man es häufig liest, in der Natur einfach aussetzen. Es ist richtig, dass die Schnecken hier überleben können, das alleine ist aber kein Grund das Ökosystem des Sees oder Flusses zu stören. Je nach Gegebenheit passiert vor Ort ähnliches, was Euch auch im Aquarium passiert ist und die Schneckenpopulation steigt unnatürlich, was Einfluss auf das Ökosystem hat.
Ganz davon abgesehen gehören die wenigsten Tiere, die wir im Aquarium halten, in unsere deutschen Seen und Flüsse, was im schlimmsten Fall das Verdrängen einer einheimischen Art zur Folge haben kann. Das Thema invasive Arten und ein entsprechendes Haltungsverbot ist mittlerweile leider vielen Krebshaltern ein Begriff, kann aber auf jede andere Tierart logischerweise ausgeweitet werden. Aquaristik hört nicht neben dem Aquarium auf, sondern umfasst ebenso einen bewussten und sorgfältigen Umgang mit dem Lebensraum unserer Pfleglinge in der freien Natur.

Schneckenvasen
Schneckenvase für flache Posthörnchen

In einer Vase, die zum techniklosen Aquarium umfunktioniert ist, kann man die Schnecken länger halten, beobachten und lieben lernen.

Nicht selten finden Diejenigen, die die Schnecken im Aquarium los werden wollten, irgendwann doch Gefallen an den Tieren – wenn sie nur in einem anderen Behälter wohnen. Vielleicht geht es Euch ja genau so, denn Schnecken sind schon wahrhaft faszinierende kleine Lebewesen.
In dem Fall könnt Ihr Euch einfach eine Schneckenvase einrichten. Das ist ganz einfach und braucht nicht viel:
Ihr braucht einen Glasbehälter, der, je nach Schneckenart, 3 bis 10 Liter fasst, Kies, etwas Naturdeko (es geht natürlich auch Plastikdeko, aber ich halte meine Tiere, gerade techniklos, so natürlich wie möglich) und Pflanzen.
Das Gefäß habt Ihr vielleicht noch im Schrank, ansonsten gibt es das oft günstig bei Tedox & Co., den Kies habt Ihr sicher noch im Keller, ebenso wie ein paar Steine oder Wurzeln und die Pflanzen nehmt Ihr einfach aus Eurem Aquarium.
Glas säubern, Kies auswaschen und in die Vase geben, Deko rein, Pflanzen rein, Wasser rein, fertig. Die Tiere können eigentlich direkt eingesetzt werden und die Vase wird wie ein normales Aquarium gepflegt. Füttern, wöchentlicher Wasserwechsel, alles, wie Ihr es kennt. Technik benötigt Ihr für Schnecken hier nicht. Ein relativ heller Platz tut für die Pflanzen das Übrige.

Diese schönen Schneckenvasen, die seit einiger Zeit voll im Trend liegen, bieten so Platz zum Kennenlernen der Tiere und sind nebenher noch eine wirklich schöne Deko im Zimmer.

Vorsicht vor Beckenflüchtlingen

Flache Posthörnchen und Posthornschnecken verlassen im Normalfall nicht das Wasser. Anders kann es bei Blasenschnecken aussehen. Diese Tiere sind durchaus auch gerne schonmal außerhalb des Wassers und dann auch schnell außerhalb des Gefäßes unterwegs. Ihr solltet also unbedingt darauf achten, dass Ihr das Gefäß verschließen könnt.
Bei einigen meiner Blasenschnecken kann ich diese Fluchtveranlagung nicht erkennen, bei anderen schon. Ggf. liegt es an der Menge der Tiere im Gefäß. Ihr solltet aber in jedem Fall lieber auf Nummer Sicher gehen, um die Tiere zu schützen und sicher zu stellen, dass sie nicht ggf. zurück ins Aquarium wandern.

 

Kugelfisch & Co. – Werkzeugtiere

Kugelfisch hilft nicht gegen Schneckenplage

Kugelfisch & Co. sind keine angebrachten Helfer im Kampf gegen eine Schneckenplage. Das Bedürfnis des Tieres muss über dem Wunsch des schneckenfreien Aquariums stehen. Zu selten wird bedacht, was nach der Schneckenplage mit den Werkzeugtieren passiert.

In den allermeisten Fällen wird in den gängigen Facebook-Gruppen (und vermutlich dann auch überall anders) von selbsternannten „Experten“ bei Schneckenplagen zu Werkzeugtieren geraten. „Kauf Dir Schmerlen“, „Kugelfische sind toll und fressen die Schnecken“ und – am Beliebtesten – „ich hab noch Raubschnecken, kann ich Dir schicken“ oder „Hole Dir Raubschnecken im Laden, kannst Du danach zurück bringen.“

Um es deutlich zu sagen: Jeder, der solch einen Rat gibt, sollte darüber nachdenken, sein Aquarium abzubauen, denn mit artgerechter Tierhaltung hat das wenig zu tun. Wir setzen uns, im Idealfall, ja Tiere und keine Werkzeuge ins Aquarium. Tiere mit Ansprüchen – und die sind – gerade bei den genannten Fischen – nicht gerade gering. Ganz abgesehen von der Frage, was mit den Tieren passiert, wenn alle Schnecken weg sind.

Die Raubschnecken können sicherlich, in den meisten Fällen, halbwegs artgerecht gepflegt werden, allerdings wird die Schneckenplage nicht mit einer einzigen Raubschnecke eliminiert. Soll heißen: Auch wenn Clea helena – wie die Raubschnecke wissenschaftlich heißt – getrenntgeschlechtlich ist, ist die Chance hoch, dass man sich mit einer Gruppe von Tieren auch beide Geschlechter ins Aquarium holt. Und nicht selten ist dann zwar die Schneckenplage der eingeschleppten Schnecken weg, Raubschnecken aber vermehren sich auch gut, wenn die Bedingungen stimmen. Nicht umsonst bekommt man die Tiere bei den gängigen Kleinanzeigenmärkten quasi nachgeschmissen.
Übrigens sollte man der Raubschnecke natürlich auch immer Schnecken als Futter anbieten. Auch wenn sich diese Schnecke auch durchaus von anderem Futter ernährt, so ist das Problem für eine artgerechte Haltung nach der „Schneckenplage“ auch hier gegeben.
Und noch ein „Übrigens“: In seltenen Fällen wurde beobachtet, dass Raubschnecken durchaus auch an Garnelen gehen. Wer also in einem Garnelenaquarium seiner „Schneckenplage“ Herr werden möchte, sollte sich ohnehin zwei mal überlegen, ob Raubschnecken eine sinnvolle Anschaffung sind. 😉

Dass ein Ausleihen von Tieren oder ein Kauf mit der Absicht, die Tiere später wieder zurück zu bringen, garnicht geht, ich glaube, das brauche ich nicht erklären. Wir sollten uns Tiere halten, an denen wir Spaß haben. Das dürfen dann auch gerne Kugelfisch & Co. sein. Ein Werkzeugtier hat allerdings in keinem Aquarium etwas zu suchen!

Kurz zusamengefasst

Im Text oben habt Ihr jetzt wirklich alles, was Ihr zum Thema Schneckenplage wissen müsst. Die wichtigsten Punkte fasse ich Euch jetzt nochmal kurz zusammen:

  • Gekaufte Pflanzen, die nicht inVitro sind, sollten gründlich nach Schnecken und Gelegen abgesucht werden.
  • Wenn Ihr eine Schnecke im Aquarium findet, die dort nicht reingehört, sammelt diese ab und schaut immer mal wieder, ob Ihr noch weitere Schnecken absammeln müsst/könnt
  • Die Tiere werden in ein gesondertes Gefäß gesetzt und verkauft/verschenkt. NICHT ausgesetzt!
  • Eine Schneckenplage kommt häufig durch ein zu hohes Nahrungsangebot:
    • Nicht zu viel füttern
    • auf dem Boden liegendes Futter absaugen
    • Tote Pflanzen und Tote Tiere entfernen
    • Den Algenaufwuchs im Blick behalten – auch das ist Nahrung
  • KEINE Tiere als Werkzeugtiere einsetzen, sondern die Ursachen beheben!
  • Schnecken sind nützliche Tiere. Wenn Ihr die Ursachen einer Plage im Griff habt, freut Euch einfach über Euren kostenlosen Putztrupp 🙂

Schneckenplagen sind nach wie vor ein häufiges Thema in der Aquaristik, das nicht selten falsch behandelt wird. Helft uns, mit diesen Fehlinformationen aufzuräumen, indem Ihr den Artikel in den sozialen Netzwerken und Foren teilt und publik macht. Lieben Dank!